Gedenkstein für Dr. Wilhelm Thiele enthüllt

Enthüllung des Gedenksteins für Dr. Wilhelm Thiele in Hennef

Gedenkstein für Dr. Wilhelm Thiele enthüllt

Fast genau ein Jahr nach seinem plötzlichen Tod ist der Gedenkstein für den Gründungsvorsitzenden der Kinder- und Jugendstiftung Hennef, Dr. Wilhelm Thiele, enthüllt worden. Und es könnte wohl kaum einen besseren Platz geben als den Kinderspielplatz am Friedrich-Ebert- Platz, nur ein paar Meter entfernt von seiner Praxis an der Deichstraße. Was Wilhelm Thiele zudem sicher mit Freude erfüllt hätte: An genau diesem Tag startete das von ihm mit Macht vorangetriebene Frühförderprojekt Frühdolin 2.0.

Martin Henschke hatte sehr schnell schon eine Petition gestartet, um einen öffentlichen Gedenkort zu initiieren oder einen Platz, eine Straße nach dem beliebten Kinderarzt zu benennen. Eine Widmung allerdings ist erst fünf Jahre nach dem Tod des zu Ehrenden möglich. So entstand die Idee eines Gedenksteins, bei dem er Unterstützung von der Stadt erhielt. Sehr bald meldete sich der Steinmetz und heutige Vizebürgermeister Max Heller bei Henschke und stiftete nicht nur das Material, sondern auch seine Arbeitszeit. Inzwischen haben fast 6000 Menschen unterschrieben, aus ganz Deutschland.

Heller schuf eine 1,15 Meter hoch aus dem Boden ragende Stele aus Diabas, einem dunklen Stein. Der ist an der Vorderseite glatt poliert, hat aber an den Seiten und hinten auch raue Flächen, fühlt sich kernig und wunderbar strukturiert an. Thieles Witwe, Dr. Ulrike Thiele, war nicht eingebunden in die Entwicklung, aber stets informiert. Stifter und Initiator holten auch die Kiju mit ins Boot, denn auch das Logo der Stiftung sollte mit auf den Gedenkstein, ist der Geehrte doch der Gründungsvorsitzende, hat die Kiju mit seiner Expertise immer wieder vorangebracht.

Die Inschrift ist bewusst einfach gehalten. „Zur Erinnerung Dr. Wilhem Thiele, 1963 – 2025“. Das „Kinderarzt in Hennef“ wird umrundet vom Motto seiner Praxis: „Der kleine Mensch im Mittelpunkt“. Darunter ist das Stiftungs-Logo mit den Daten Vorsitzender Kiju Hennef 2005 – 2025. Heller und Henschke haben den Schriftzug gemeinsam entwickelt. Er ist eingraviert und mit Farbe ausgelegt.

„Ich wurde überrascht, aber ich habe ihn schon ein paar Mal gesehen“, verriet Dr. Ursula Thiele, die Witwe des Verstorbenen. Es gebe wohl keinen besseren Platz, sein Schaffen anzuerkennen, als den Spielplatz, auf dem so viele seiner kleinen Patientinnen und Patienten während Wartezeiten in Hörweite der Praxis gespielt hätten. Seine Eltern hatten die Praxis 1962 gegründet, zunächst an der Bachstraße, 1968 folgte der Umzug an die Deichstraße, den heutigen Standort. Aus den damaligen Kindern seien Großeltern geworden, die heute mit ihren Enkeln kommen.

Erfüllend und sinnstiftend habe er seinen Beruf stets erlebt. Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein, großes Fachwissen und Leidenschaft haben ihn ausgezeichnet. Er hat ein enormes Netzwerk zu Universitäten, Kliniken und Kolleginnen und Kollegen in der Umgebung aufgebaut“, so die Kinderärztin, die die Praxis als ärztliche Leiterin und als medizinisches Versorgungszentrum mit zwei Kolleginnen fortführt. „Er hat fast rund um die Uhr gearbeitet. Kein Kind darf vergessen werden, war der Leitspruch.“ Dem sei er mit Liebe und Empathie gefolgt. Die Freude am Beruf des Arztes hat er an seine drei Kinder weitergegeben.

Henschke und Thiele hatten eine besondere Beziehung zueinander. Vor zwölf Jahren wurde seiner Tochter Mara diagnostiziert, dass sie keine Schilddrüse habe. Er suchte einen Kinderarzt, weil er schnelle Hilfe benötigte. Alle anderen Praxen ließen ihn abblitzen, keine Termine, Mittagspause, kein Platz mehr. Einzig Thiele ließ ihn sofort kommen, eine Stunde später hatte er einen Termin in einer Universitätsklinik. Sie hatten viele Termine zusammen, später bauten sie Häuser, halfen einander. „Dadurch waren wir sehr intensiv befreundet.“ Sein plötzlicher Tod hat ihn ebenso erschüttert wie seine Tochter. Sie verriet: „Am 31. Januar, also ein Jahr danach, habe ich schon geweint.“ Der Gedenkstein ist ein Familienprojekt.

Bürgermeister Mario Dahm dankte dem Ideengeber für sein Engagement. „Ihren Kinderarzt vergessen die Kinder nicht, der Stein wird die Erinnerung wach halten.“ Den Ort hält er für optimal, hier können die Kleinen sich doch austoben, auch auf der Stele herumklettern, die keine scharfen Kanten hat und tief verankert im Boden ist. „Seine Nähe zu Kindern war eine Quelle, die Bedarfe zu erkennen, die nötig waren“, lobte Andrea Hoppen-Weiss, Nachfolgerin von Thiele als Stiftungsvorsitzende, ihren Vorgänger. Frühdolin 2.0 ist „ein ganz aktives, laufendes Vermächtnis“.

Text und Fotografie: RvG